ECHOLOT 2019
Festival für Neue Musik

BeyderZeit
„Neue Musik im Spiegel des Barock“

Schloss Kempfenhausen
am Starnberger See

  kontakt@echolot-festival.de

  Schloß Kempfenhausen, Milchberg 11, 82335 Berg

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Echolot 2019

BeyderZeit

4. Festival für Neue Musik

ECHOLOT holt Neue Musik an den Starnberger See

Zusammen mit der Kaske Stiftung findet vom 15. bis 24. November 2019 zum vierten Mal das inzwischen bereits renommierte Festival für Neue Musik statt.
Wieder in seiner so besonderen Umgebung: Im ehemaligen Jagdschloss Kempfenhausen. Auch diesmal wieder auf der Suche nach dem Neuen in der aktuell entstehenden Musik. Das Publikum ist eingeladen, im Dialog mit den anwesenden Festival-Gestaltern und den Musikern dieses Neue zu befragen und zu beantworten. Eine besondere Rolle dabei spielt die Video-Kunst. Sie verbindet den Ort mit dem Klang, öffnet Grenzen der Wahrnehmung und stiftet neue An-Sichten.

Zeiten im Spiegel

Das 4. ECHOLOT-Festival stiftet überraschende Resonanzen

Das Festival findet im gesamten Schlossareal an 2 Tagen statt. Selbst die sonst nur schwer zugängliche 500 Jahre alte Kapelle St. Anna mit ihren wertvollen Kunstschätzen wird als Konzertraum mit einbezogen. Dabei bietet ihr ehrwürdiger Rahmen den Raum für musikalisches „free climbing“ jenseits stilistischer Grenzen. Diese Freiheit des Klangs gilt für alle Veranstaltungen im Schloss und ist das Merkmal des ECHOLOT-Festivals überhaupt. Erweitert wird das Festival in diesem Jahr durch eine begehbare, performative Video-, Raum- und Klanginstallation, die als Ausstellung im Anschluss an das Festival für neue Musik vom 17. bis 24. November 2019 im Schloss sowie im Schlosspark zu besichtigen ist.

Das künstlerische Konzept

BeyDerZeit: Neue Musik im Spiegel des Barock

Barock: ein Stilbegriff, sicher verwahrt in bayrischen Kirchen und dem allgemeinen Bildungskanon. Aber was tut sich auf, wenn man ihn öffnet! Ein Schwanken zwischen Lebensgier und Todesbangen: Bewegtheit und glitzernde Pracht, Rausch und Ekstase, gleichzeitig abgrundtiefe Düsternis wie zum Beispiel in der Lyrik eines Andreas Gryphius.

Schon die Wortbedeutung von “Barock” bringt uns auf die Spur: “verzerrte Form, Täuschung, trügerisches Denken”, “bizarr”. Sinne sollten betört werden, um rationales Denken zu hintergehen: So kämpfte die katholische Kirche um die Rückgewinnung ihrer an den Protestantismus verlorenen Seelen sowie gegen die Bedrohung durch die aufkommende Naturwissenschaft.
Was lässt dieser Begriff uns sehen, wenn wir ihn wieder lebendig werden lassen, um ihn unserer Gegenwart als Spiegel vorzuhalten?

Rauschende Lebensfreude, farbenleuchtende Bewegtheit?

Hysterie, Scheinwelten?

Der Spiegel ist ein spezifisches Phänomen des Barock. Dort erlangte er eine gesellschaftliche Bedeutung, die vorher unbekannt war.

Die Spiegelgalerien der Schlösser vervielfältigten die visuellen Reize und Attraktionen, sie reflektierten und lenkten die Blicke der Gesellschaften. Die Spiegel ließen die Wege der Kommunikation zu undurchschaubaren Labyrinthen werden.

In unserer Zeit der digitalen Kommunikation erinnert die Virtualität an die Bedeutung, die der Spiegel im Barock innehatte. Die virtuelle Welt erfüllt heute die Wünsche nach Erweiterung der Wahrnehmung, wie es der Spiegel in den barocken Spiegelsälen tat: beide bieten Beantwortung, Selbstdarstellung sowie das (meist unentdeckte) Eindringen in andere Welten. Mit dem Festival 2019 machen wir uns auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Was ist die Quelle dieser Gemeinsamkeit?

Der Blick auf den Barock legt vor allem eines frei: in beiden Zeiten erodiert eine über Jahrhunderte gültige Grundlage des Selbst- und Weltverständnisses:

DAMALS die Kirche, die durch Naturwissenschaften in Frage gestellt und durch Glaubensspaltung bedroht wurde.
HEUTE die Utopie eines besseren Lebens durch Forschung, Technik und Konsum, die angesichts des Wissens um die Begrenztheit natürlicher Ressourcen in ihr Gegenteil umzuschlagen droht: die Dystopie.

Damals wie heute wehren sich die bedrohten Institutionen und Mächte: Umso vehementer drängen sie sich unserer Wahrnehmung auf, streben danach, sie durch Attraktion und Überwältigung zu dominieren.

Wo steht da die Neue Musik unserer Zeit?

In diesem vorgehaltenen Spiegel möchte man fast meinen, die Neue Musik klammere sich an ihre vergangene, die “heroische” Zeit. Richtet man sich dort in einem Refugium ein, das angesichts der großen Umwälzungen zu einer selbst-referenziellen Idylle zu werden droht?

Dies ist ein Umriß, der mit einem einzelnen Festival kaum zu füllen ist. Aber es entspricht dem Selbstverständnis des Festivals, den Blick vom Kleinen ins Große zu öffnen.

neue Musik: wir suchen sie dort, wo sie noch keinen Namen hat. “

Gunter Pretzel

Die Musiker

Wahrnehmung herausfordern

Unter dieser Vorgabe haben wir Musiker gesucht, die bereit sind, sich aus stilistischen Vorgaben zu lösen. Sie lassen sich darauf ein, den aktuellen Resonanzraum zu suchen und bringen damit den aufgespannten historischen Raum zwischen Barock und unserer Gegenwart zum Klingen. Die diesjährigen Veranstaltungen des 4. Festivals ECHOLOT fügen sich zusammen zu einem vielschichtigen und vieldeutigen Gesamtbild, das keine Antworten geben muss oder will, wohl aber die Wahrnehmung schärfen und herausfordern möchte.

Ausstellung

Digitale Video Kunst trifft Barock

Bildende Kunst war von vornherein ein fester Bestandteil des ECHOLOT Musik Festival für Neue Musik. Mit Video – und Lichtinstallationen, Videomapping und Fassaden-Projektionen, Video-Musik-Performances zwischen Bäumen und Klanginstallationen im Schlosspark verbindet es die zeitgenössischen Künste und entwickelt diesen interdisziplinären Ansatz stetig weiter.

Exklusiv für das 4. Echolot Festival für Neue Musik erarbeitet Manuela Hartel Videoinstallationen, die die Innenräume des Schlosses zu begehbaren Kunstwerken umgestalten.

In den historischen Räumen begegnen dem Publikum Wesen in einer virtuellen Welt, deren historische Zuordnung zu Barock oder Gegenwart nicht klar zu benennen ist. Der Besucher findet sich selbst in Räumen wieder, deren Fassade manchmal bröckelt und zu verwischen scheint.

Die aktuelle Bedeutung des Zeitphänomens „Barock“ wird über eine Medieninstallation mit Projektionen immersiv und sinnlich in mehreren Schichten reflektiert. Die Sängerin, Performerin und Komponistin Maren Montauk und der Pianist und Komponist David Schwarz entwickeln Klanginstallationen, die das Publikum auch musikalisch in diese fiktionale Welt entführen. Ensembles mit Jugendlichen unter Leitung von Esther Schöpf werden zum Teil der Performance.

Die Video – und Klanginstallationen sind anschließend an das Festival für eine Woche im Schloss zu besichtigen (16. – 24. November).

Tipp: Die Zahl der Besucherplätze ist begrenzt – daher empfiehlt es sich, rechtzeitig Tickets zu sichern.